Gabreta Silva-Kampagne: Historischer NSC – Maternus, der Brigantenkaiser (ACKS, OSR)

Ein weiterer historischer NSC, mit Werten und Hintergrund; ein interessanter Widersacher des Commodus, über den Herodian berichtet: 

Bald gab es eine weitereVerschwörung gegen Commodus. Sie wurde von einem ehemaligen Soldaten namens Maternus angeführt, der viele fürchterliche Verbrechen begangen hatte. Er desertierte, überredete andere, mit ihm zu fliehen, und sammelte bald einen riesigen Mob von Briganten um sich. Zuerst griffen sie Dörfer und Farmen an und plünderten sie, aber als Maternus eine ansehnliche Summe Geldes anhäufte, sammelte er eine noch größere Bande von Halsabschneidern, indem er ihnen großzügigen Lohn und einen gerechten Teil der Beute in Aussicht stellte. Infolgedessen schienen seine Männer nicht mehr Briganten, sondern feindliche Truppen zu sein.

Sie griffen nun die größten Städte an und ließen alle Gefangenen frei, unabhängig von den Gründen für ihre Inhaftierung. Indem er diesen Männern ihre Freiheit versprach, überredete er sie, seiner Bande als Dank für die empfangenen Gefälligkeiten beizutreten. Die Banditen streiften über ganz Gallien und Spanien und griffen die größten Städte an; ein paar von ihnen verbrannten sie, aber den Rest verließen sie, nachdem sie sie geplündert hatten.

Als er über diese Entwicklungen informiert wurde, sandte Commodus in stürmischer Wut Drohungen an die Gouverneure der beteiligten Provinzen, beschuldigte sie der Nachlässigkeit und befahl ihnen, eine Armee aufzustellen, um sich den Banditen entgegenzustellen. Als die Briganten erfuhren, dass eine Armee gegen sie aufgestellt wurde, verließen sie die Regionen, die sie verwüstet hatten, und schlichen sich in kleinen Gruppen unbemerkt nach Italien auf einer schnellen, aber schwierigen Route. Und jetzt wollte Maternus die Herrschaft über das Reich an sich reißen. Da alles, was er versucht hatte, über seine größten Hoffnungen hinaus Erfolgreich gewesen war, kam er zu dem Schluß, daß, wenn er etwas wirklich Wichtiges unternehmen sollte, es Erfolg haben mußte; wenigstens würde er auf diese Weise nicht unbedeutend und unbekannt sterben.

Aber da er erkannte, dass er keine Armee hatte, die stark genug war, um Commodus unter gleichen Bedingungen und in offener Opposition zu widerstehen (weil die Mehrheit des römischen Volkes Commodus immer noch gut gesinnt war und er die Unterstützung der Prätorianergarde hatte), hoffte Maternus, diese Ungleichheit der Kräfte durch List und Schlauheit auszugleichen. (…)

Jedes Jahr zu einem Frühlingsanfang feiern die Römer ein Fest zu Ehren der Göttermutter. Alle kostbaren Insignien jeder Gottheit, die kaiserlichen Schätze und wunderbaren Gegenstände aller Art, sowohl natürliche als auch von Menschenhand geschaffene, werden in einer Prozession vor dieser Göttin getragen. Jede Art von Vergnügungen ist erlaubt und jeder Mann trägt die Verkleidung seiner Wahl. Kein Amt ist so wichtig oder so unantastbar, dass es verboten wäre, seine unverwechselbare Uniform anzuziehen und sich an der Feierlichkeit zu beteiligen, indem man seine wahre Identität verbirgt; folglich ist es nicht leicht, das Wahre von dem Falschen zu unterscheiden.

Dies schien Maternus ein idealer Zeitpunkt, um seine Handlung unerkannt zu starten. Indem er die Uniform eines Prätorianers anzog und seine Gefährten auf die gleiche Weise ausstattete, hoffte er, sich unter die wahren Prätorianer zu mischen und, nachdem er einen Teil der Parade gesehen hatte, Commodus anzugreifen und ihn zu töten, während niemand mit einem Angriff rechnete .

Aber der Plan wurde verraten, als einige von denen, die ihn in die Stadt begleitet hatten, das Komplott enthüllten. (Eifersucht führte sie dazu, es zu offenbaren, da sie lieber von einem Kaiser als von einem Banditenführer regiert wurden.) Bevor er am Schauplatz der Feierlichkeiten ankam, wurde Maternus ergriffen und enthauptet, und seine Gefährten erlitten die Strafe, die sie verdienten. Nachdem er der Göttin geopfert und Dankopfer gegeben hatte, vollendete Commodus die Feierlichkeiten und ehrte die Göttin und freute sich über seine Rettung. Und die Menschen feierten nach dem Ende der Festes noch die Rettung ihres Kaisers.

Die Taten zeugen von hohem Charisma und hoher Intelligenz, allerdings geringer Weisheit. Maternus will unter keinen Umständen unbekannt sterben. „Alexander died, Alexander was buried, Alexander returneth to dust… imperious Caesar, dead and turned to clay, might stop a hole to keep the wind away.“ Ich sehe Maternus als Hamlet-artige Gestalt, sein Verzweifllungsakt und seine Gewalt als Reaktion auf brütendes, depressives Nachdenken über Sinn und Tod.

Was führte dazu, dass Maternus in Aktion trat? Eine Ungerechtigkeit. Maternus war wohl Legionär, denn Auxiliartruppen können niemanden zum Kaiser ausrufen, das kann nur die Legion. Auch war er römischer Bürger, sonst wäre selbst der kühnste Plan unglaubwürdig gewesen.

Er war nicht aus dem Ritterstand und selbstverständlich kein Senator – also kann er höchstens Zenturio gewesen sein. 

Üblicherweise wird der Aufstand in Zusammenhang mit der schlechten Versorgungslage gesetzt. Ich sehe Maternus durchaus als gebildete Persönlichkeit, um meine Assoziation mit Hamlet durchhalten zu können. 

Seine Familie gehörte demzufolge zunächst zum Ritterstand und verarmte durch die äußeren Umstände. Die erfolglose Planwirtschaft, die die Antwort der Römer auf alle wirtschaftlichen Krisen war, führte dazu, dass das Handelsunternehmen von Maternus’ Vater in Schieflage kam. Anstatt für den Sohn eine Auxiliar-Präfektur zu kaufen, blieb nur der reguläre Eintritt in die Legionen. Dem Sohn gegenüber wurde das Ausmaß der Probleme verschleiert, bis zum gemeinsamen Selbstmord der Eltern. Maternus musste erleben, wie Patrone versagen und Amici und Klienten sich von seiner Familie abwenden. Das wiederholte Ausbleiben eines versprochenen Donativs und die herablassende Behandlung durch die senatorischen Vorgesetzten, die er an Fähigkeiten weit übertrifft, sind weitere Gründe dafür, dass er nach langer Zeit des Brütens sich entscheidet, in einem Ausbruch von Tatendrang und Wagemut einen – für ihn erkennbar – wohl aussichtslosen Weg, wenigstens hin zu Ruhm und Unsterblichkeit, aber auch zu Rache einzuschlagen. Commodus steht für ihn als Symbol für die erlebten Ungerechtigkeiten. Einen persönlichen Hass gegen ihn hegt er nicht.

Ich sehe auch Parallelen zu Eugen Leviné: „Wir Briganten (Kommunisten) sind alle Tote auf Urlaub“. Leviné, Mühsam etc. errichteten in München 1919 die 2. Räterepublik, obwohl sie wissen mussten, dass sie ihre Ziele unmöglich erreichen konnten. Aber, als Idealisten und Gesinnungsethiker im schlechtesten Sinne Max Webers, taten sie das „Richtige“, ohne die Verantwortung für die Folgen ihres Tuns anzuerkennen.

Maternus gehört damit eindeutig zu „Team Chaos“. Als Zenturio ist Maternus ein Fighter. Er muss zu den mächtigsten Persönlichkeiten der Provinz gehören und Anhänger um sich scharen: Stufe 11.

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Drusus, der Deserteur aus „Sinister Stone of Sakkara“ ist ein Gefolgsmann des Maternus.

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