Epikur, ein Leichnam auf der Suche nach Freunden (historische NSCs, Gabreta Silva-Kampagne)

Epikurs Lehre lautete, stark verkürzt: Die Überwindung von Schmerz, Begierden, Todesfurcht und Furcht vor den Göttern führt zur Lebensfreude.

Philosophen in der Gabreta Silva-Kampagne sind Magier. Wenn ein Magier diesen Zielen folgt, dann kommt er automatisch zur Schlussfolgerung, dass der Untot einen großen Schritt zur Lebensfreude darstellen kann. Die körperlichen Empfindungen sind gedämmt, die Angst vor dem Tod ist verschwunden, die meisten Begierden sind erloschen.

Der echte Epikur lehnte das Streben nach Unsterblichkeit ab, da er es für unerreichbar hielt. In der Gabreta Silva-Kampagne ist es allerdings erreichbar. Der Magier Epikur entschied sich also, zum Leichnam zu werden.

Epikureer haben demnach ein sehr selbstbezogenes Ziel: den Weg in die untote Unsterblichkeit. Das kann zu allerlei Kontakten mit Spielerpersonnagen führen, denn ein Leichnam zu werden ist ein komplizierter Prozess, der mit vielen Stolpersteinen verbunden ist, für die man Hilfe braucht oder Widerstand provoziert. Zum Beispiel sind Experimente mit minderen Untoten vonnöten (Pietät ist einem Epikureer fremd), seltene Zutaten werden gebraucht und natürlich auch Schätze, um die ganze Forschung zu finanzieren. So weit, so Leichnam.

Zwei weitere Besonderheiten sind aber für die Spielwelt interessanter: Um den angepeilten Gleichmut gegen Anfeindungen von Außen zu bewahren, braucht ein Epikureer Freunde. Freunde, die seine Philosophie teilen und ihn in seiner Lebensgestaltung unterstützen. Ein Leichnam wird vermutlich noch viel mehr angefeindet, als ein historischer Epikureer. 

Das bedeutet zweierlei: zum einen gibt es geheime Treffen, auf denen sich viele epikureische Leichname zum Kaffeekränzchen versammeln, und sich, selbsthilfegruppenmäßig, im Stuhlkreis ihr Leid klagen. Diese Treffen finden reihum statt, damit jeder mal Gastgeber sein muss und die Reiseentfernung gerecht verteilt ist. Schließlich kann nicht jeder teleportieren, manch einer muss nachts auf einem Fellbeast durch den Regen fliegen. Auch im unmittelbaren Kampagnenmilieu findet also so ein Treffen mal statt und sorgt mit all den seltsamen Sichtungen von fliegenden Teppichen, Drachen und Reitern auf untoten Pferden für Unruhe.

Zum anderen wird ein epikureischer Leichnam versuchen, Personnagen als Freunde zu gewinnen. Er wird es anstreben, die Spielfiguren von seiner Sicht der Dinge zu überzeugen, denn als mächtige, eigensinnige Antagonisten bieten sie das Potential, großartige Philosophenfreunde zu werden.

Die andere Besonderheit ist die Furcht vor den Göttern, die überwunden werden muss. Epikur glaubte an Götter, fand aber nicht, dass man sie fürchten, oder ihnen opfern sollte. Sich dermaßen von anderen Wesen abhängig zu machen, stünde dem Erreichen der Lebensfreude im Weg. So mancher epikureische Leichnam dürfte sich daher von aktiven Tempeln in seiner Umgebung gestört fühlen und aktiv gegen diese vorgehen. Je nach Temperament eher unauffällig, da er ja nicht selbst gestört werden will. Orte mit Tempeln und Kleriker-Personnagen sind also prädestiniert dazu, in Konflikt mit epikureischen Leichnamen zu gelangen.

Die Epikureer, obgleich Diener des Chaos, laut ACKS, sind dem Imperium Romanum nicht feindlich gesinnt. Ihre Gegner von der Stoa, allerdings, sehen das anders. Sie lehnen die Epikureer ab und sehen sie als Bedrohung. Die stoischen Magier, wie der Magierkaiser Mark Aurel selbst, sind Stützen des Imperiums. Rechtschaffene Stoiker heuern öfters Abenteurer an, um die Verliese von Epikureern auszuräumen. 

Ein Magier der 11. Stufe kann sich in einen Leichnam verwandeln. ACKS gibt die Regeln dafür vor, verzichtet aber auf ein Beispiel. Ein typischer epikureischer Leichnam kann so aussehen:

Epikureischer Leichnam

% in Lair: 90

Dungeon/Wilderness Enc: Solitary/ Undead Servants (1d4 Wraiths)

Alignment: Chaotic

Movement: as in life

Armor Class: 7

Hit Dice: 11***

Attacks: 1

Damage: 1d6, paralysis

Save: M 11

Morale: +6

Treasure Type: Q

XP: 3400

– Spells (4/3/3/3/2/1):

  1. detect magic, hold portal, light, charm person
  2. levitate, phantasmal forces, invisibility
  3. hold person, dispel magic, lightning bolt
  4. wall of fire, dimension door, hallucinatory terrain
  5. conjure elemental, animate dead
  6. Geas

Epikureische Leichname mögen keine Vampire (deren Blutlust ist äußerst un-epikureisch) und keine Mumien. Mumien, mit der ganzen Einbalsamiererei, wirken zu sehr so, als wolle man das Leben bewahren. Wraiths sind hingegen gute Gefährten, genauso wie lebendige Menschen.

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In den Bayerischen Wald! Spielbericht, Gabreta Silva-Kampagne, Session 3

Neue Freunde: Polius der Dieb, der Ex-Legionär Tertius aus Nordafrika und der Enchanter Ffeanagh aus Hibernia sind mit Publia Julia Curiosa, einer sehr modischen Magierin aus Lugdunum, in Batavis angkommen. Curiosa ist an den Büchern über Tränke und Beschwörungen des Kompaniemagiers Malynius interessiert. Agrippina bemüht sich um eine Freundschaft mit Curiosa, so lernen sich die Personnagen kennen.

Lateinische Literatur: Agrippina versammelt unsere Personnagen für einen teuflischen Plan: um sich bei der Frau des Präfekten, Celena, einzuschmeicheln, möchte sie dafür sorgen, dass der Annalist Hometri Socolo bei den häufigen convivia in der Präfektenvilla nicht mehr aus Lucans Pharsalia vorliest – die er relativ neu erworben hat. Die Pharsalia ist Celena zu brutal und pessimistisch. Trotz Vollmondes gelingt es den Spielfiguren, die Pharsalia aus den Gemächern des Hometri Socolo zu stehlen. Polius der Dieb und der Raben-Familiar des hibernischen Enchanters stehlen nicht nur die Pharsalia – sie stehlen auch alle 25 Schriftrollen der Aeneis!

Gerüchte: Pertinax, der mächtige Magier und Dux, ist in seinen Turm an der Isara zurückgekehrt. Zuletzt war er Gouverneur der Provinz Syria. Die Gründe für sein Rückkehr sind unbekannt. Außerdem wurde in der Nähe von Joviacum ein Drache gesichtet und ein Schwertmeister hat sich mit seinen Gefolgsleuten auf die Suche nach dem Grund für das Ausbleiben der Cervisia-Lieferungen gemacht. Er ist noch nicht zurückgekehrt.

Epulum Jovis: In den Iden des Septembers wird das Epulum Jovis gefeiert. Mondicas, der Wirt, bittet Dulcia – eine Klerikerin des Jupiter – das rituelle Gastmahl auszurichten. Dulcia macht dabei leider gedankenverloren einen Fehler und isst von dem Teller, der der Statue des Jupiter vorbehalten ist. Die anwesenden Soldaten sind befremdet, aber können wieder beruhigt werden.

Tiermenschen im rätischen Wald: Morims Tod und Gorims Trauma wirken nach und die Personnagen entschließen sich, das rätische Verlies vorerst nicht mehr aufzusuchen.

Misogynistischer Mithraskleriker: Glaucias, ein illyrischer Mithraskleriker, scheint einigen Personnagen ein interessanter Gefährte zu sein – mächtig, mit dem Wissen um Verliese im Gabreta Silva und einer Heilsklavin. Nach langem Werben lässt sich der rustikale Kleriker überzeugen, mit den Spielfiguren in den Gabreta Silva aufzubrechen. Nach einigem Konchenwerfen zwecks Prophezeiung allerdings nur unter der Bedingung, dass die Frauen in der Gruppe nie das Wort an ihn richten. Den männlichen Spielfiguren verpasst er die Namen Scorpio, Canis und Corvus. Dulcia hält sich gleich am Morgen des Aufbruches nicht an die Vorgabe und es kommt zu einem Streit, der fast im Kampf endet: Glaucias weigert sich, die Spielfiguren zu begleiten und entzieht Canis, Scorpio und Corvus die neuen Namen. 

Das Schwert des Karzakrios: Von einem dakischen Auxiliar, einem Veteranen des Markomannenkrieges, kennt Glaucias den Ort, an dem der Riese Karzakrios vor zwanzig Jahren besiegt wurde. Der Riese war im Dienste Ballomars, des Markomannenkönigs, und trug ein magisches Schwert. Nach dem Streit mit Glaucias gelingt es Tertius von Glaucias Heilsklavin Cadmea Hinweise über den Ort irgendwo im Gabreta Silva zu bekommen – sie versprechen ihr im Gegenzug, sie möglichst bald freizukaufen. Im Archiv der Festung, verwaltet von Hometri Socolo, der verzweifelt damit beschäftigt ist, die Aeneis aus dem Gedächtnis aufzuschreiben, findet Ffeanagh weitere Hinweise auf den genauen Ort, sodass die Gruppe sich nun ohne Glaucias auf den Weg in den Gabreta Silva macht.

Gefährliche Reise: Im herbstlichen Nieselregen setzen die Personnagen über den Danuvius und betreten den sumpfigen, düsteren Gabreta Silva. Ffion weist den Weg quer durch den Urwald. Der Angriff eines Riesenhabichts kann rasch abgewehrt werden – sein Federn werden als wertvolle Beute ausgerissen – und auch ein den Vandalen heiliger Baum mit allerlei Fetischen und römischer Beute hält die Spielfiguren nicht auf. Als Tertius Rauch bemerkt, entscheiden sich die Personnagen den Ursprung zu suchen: sie finden eine Lichtung mit einem kleinen germanischen Langhaus, einem Auerochsen, der von einem Baum hängt und zahlreichen Tierhäuten, die unter einem kleinen Dach und über Kohleglut trocknen. Ffeanagh entschließt sich dazu, mit den Bewohnern Kontakt aufzunehmen. Drei riesige, halbnackte und kahlrasierte Vandalen treten aus dem Haus in den Regen. Sie sind deutlich sichtbar mit Chaossymbolen tätowiert. Ffeanagh kann sie nicht freundlich stimmen, sie entscheiden sich den Eindringling anzugreifen und verwandeln sich dabei in Keiler! Ffeanaghs Schlafzauber scheitert überraschenderweise und gerade noch rechtzeitig verschwinden die Personnagen im Wald; die Wereber haben kein Interesse daran, die Verfolgung aufzunehmen. 

Riesenschädel: am dritten Tag ihrer Reise, jetzt bereits tief im Gebirge des Gabreta Silva, sehen die Spielfiguren einen übermannsgroßen Schädel mit Hörnern und Hauern am Hang eines Berges in der Ferne. Riesenraben kreisen über ihm.

Gabreta Silva-Kampagne: Knapper Spielbericht, Sessions 1&2

Geheimnisvolle Auftraggeberin: Die Personnagen begleiten Agrippina von Reginum nach Batavis. Agrippina ist eine schweigsame Frau, die  versucht, sich nach dem Vorbild einer adeligen Römerin zu verhalten und zu pflegen. Ihr Sklave Falco redet mit den Personnagen, sie nicht. Nach der sicheren Ankunft verrät sie den SC ein Geheimnis: Lucilla, die Schwester des Commodus, führte ein Attentat auf ihren Bruder aus, das allerdings fehlschlug. Diese Nachricht ist von Italien noch nicht nach Raetia gekommen.

Narben des Krieges: Die Personnagen erleben ein nördliches Rätien mit verlassenen und zerstörten Villae Rusticae und brach liegendem Land. Dort, wo es noch von Sklaven bewirtschaftet wird, zeigen sich auch die Spuren der antoninischen Pest.

Schwache Zentralgewalt: Eine Kolonne von Caligati der Cohors IX Batavorum exploratorum milliaria equitata begegnet den Personnagen. Eine vexillatio von 100 Soldaten, die auf dem Weg nach Britannien sind, wo die Pikten über den Hadrianswall nach Süden vorgedrungen sind. Die Personnagen erfahren, dass in Batavis zu wenige Soldaten übrig sind, um dem verstärkten Auftauchen von Humanoiden auf den Grund zu gehen.

Hand des Chaos: Entflohene Sklaven überfallen die Gruppe des nachts, ziehen sich aber nach Verlusten rasch zurück.

Es gibt keinen Cervisia mehr in Batavis: auf Nachfrage erfahren die Helden, dass die Lieferungen leider ausbleiben…

Zwerge sind keine Sympathieträger: trotz teils höflichen Auftretens, stehen einige Bewohner von Batavis den Zwergen nicht begeistert gegenüber. Hometri Socolo – neutral; Koinos Thales – nicht willens, zu helfen. Aber: Optio Methorius ist den Helden freundlich gesinnt und erzählte viel von seinem alten Gefährten Drusus. Weitere Bewohner von Batavis, die man kennenlernt: Mondicas, der Markomanne, Wirt des Gasthofes, der seine Sklavinnen brutal behandelt und Genelen, Priesterin der Juno.

Tiermenschen im Wald: Nachdem sie die Aushänge im Forum gelesen haben, entscheiden sich die Personnagen zur Suche nach dem Lager der Tiermenschen. Im Wald finden sie eine Höhle in einem Hügel, anscheinend ein verschüttetes rätisches Bauwerk. Seltsame Wandgemälde, ein auf der Flucht getöteter Goblin und zwei am Schwanz zusammengewuchterte Riesenratten halten die Personnaggen nicht lange auf. Anfänglichen Erfolge im Kampf gegen einige Kobolde, Klesche und Spinnen enden allerdings in einer Katastrophe, als sich die Personnagen entscheiden, eine zum Gespräch bereite Gruppe von Kobolden zu provozieren. Wider Erwarten sind diese todesmutig und lassen sich in ihrer Moral nicht erschüttern. Die Personnagen hinterlassen hier Leichenberge – Morim der Zwerg ist Teil des Berges – aber auch einen Arm von Gorim, dem Bruder Morims. Er setzt sich daraufhin traumatisiert zur Ruhe. 

Dramatis Personae:

Morim, Zwergen-Maschinist (verstorben)

Gorim, Zwergenkämpfer (im Ruhestand)

Dulcia, Klerikerin des Jupiter

Ffion aus Hibernia, Elfenwaldläufern

Gabreta Silva-Kampagne: Historischer NSC – Maternus, der Brigantenkaiser (ACKS, OSR)

Ein weiterer historischer NSC, mit Werten und Hintergrund; ein interessanter Widersacher des Commodus, über den Herodian berichtet: 

Bald gab es eine weitereVerschwörung gegen Commodus. Sie wurde von einem ehemaligen Soldaten namens Maternus angeführt, der viele fürchterliche Verbrechen begangen hatte. Er desertierte, überredete andere, mit ihm zu fliehen, und sammelte bald einen riesigen Mob von Briganten um sich. Zuerst griffen sie Dörfer und Farmen an und plünderten sie, aber als Maternus eine ansehnliche Summe Geldes anhäufte, sammelte er eine noch größere Bande von Halsabschneidern, indem er ihnen großzügigen Lohn und einen gerechten Teil der Beute in Aussicht stellte. Infolgedessen schienen seine Männer nicht mehr Briganten, sondern feindliche Truppen zu sein.

Sie griffen nun die größten Städte an und ließen alle Gefangenen frei, unabhängig von den Gründen für ihre Inhaftierung. Indem er diesen Männern ihre Freiheit versprach, überredete er sie, seiner Bande als Dank für die empfangenen Gefälligkeiten beizutreten. Die Banditen streiften über ganz Gallien und Spanien und griffen die größten Städte an; ein paar von ihnen verbrannten sie, aber den Rest verließen sie, nachdem sie sie geplündert hatten.

Als er über diese Entwicklungen informiert wurde, sandte Commodus in stürmischer Wut Drohungen an die Gouverneure der beteiligten Provinzen, beschuldigte sie der Nachlässigkeit und befahl ihnen, eine Armee aufzustellen, um sich den Banditen entgegenzustellen. Als die Briganten erfuhren, dass eine Armee gegen sie aufgestellt wurde, verließen sie die Regionen, die sie verwüstet hatten, und schlichen sich in kleinen Gruppen unbemerkt nach Italien auf einer schnellen, aber schwierigen Route. Und jetzt wollte Maternus die Herrschaft über das Reich an sich reißen. Da alles, was er versucht hatte, über seine größten Hoffnungen hinaus Erfolgreich gewesen war, kam er zu dem Schluß, daß, wenn er etwas wirklich Wichtiges unternehmen sollte, es Erfolg haben mußte; wenigstens würde er auf diese Weise nicht unbedeutend und unbekannt sterben.

Aber da er erkannte, dass er keine Armee hatte, die stark genug war, um Commodus unter gleichen Bedingungen und in offener Opposition zu widerstehen (weil die Mehrheit des römischen Volkes Commodus immer noch gut gesinnt war und er die Unterstützung der Prätorianergarde hatte), hoffte Maternus, diese Ungleichheit der Kräfte durch List und Schlauheit auszugleichen. (…)

Jedes Jahr zu einem Frühlingsanfang feiern die Römer ein Fest zu Ehren der Göttermutter. Alle kostbaren Insignien jeder Gottheit, die kaiserlichen Schätze und wunderbaren Gegenstände aller Art, sowohl natürliche als auch von Menschenhand geschaffene, werden in einer Prozession vor dieser Göttin getragen. Jede Art von Vergnügungen ist erlaubt und jeder Mann trägt die Verkleidung seiner Wahl. Kein Amt ist so wichtig oder so unantastbar, dass es verboten wäre, seine unverwechselbare Uniform anzuziehen und sich an der Feierlichkeit zu beteiligen, indem man seine wahre Identität verbirgt; folglich ist es nicht leicht, das Wahre von dem Falschen zu unterscheiden.

Dies schien Maternus ein idealer Zeitpunkt, um seine Handlung unerkannt zu starten. Indem er die Uniform eines Prätorianers anzog und seine Gefährten auf die gleiche Weise ausstattete, hoffte er, sich unter die wahren Prätorianer zu mischen und, nachdem er einen Teil der Parade gesehen hatte, Commodus anzugreifen und ihn zu töten, während niemand mit einem Angriff rechnete .

Aber der Plan wurde verraten, als einige von denen, die ihn in die Stadt begleitet hatten, das Komplott enthüllten. (Eifersucht führte sie dazu, es zu offenbaren, da sie lieber von einem Kaiser als von einem Banditenführer regiert wurden.) Bevor er am Schauplatz der Feierlichkeiten ankam, wurde Maternus ergriffen und enthauptet, und seine Gefährten erlitten die Strafe, die sie verdienten. Nachdem er der Göttin geopfert und Dankopfer gegeben hatte, vollendete Commodus die Feierlichkeiten und ehrte die Göttin und freute sich über seine Rettung. Und die Menschen feierten nach dem Ende der Festes noch die Rettung ihres Kaisers.

Die Taten zeugen von hohem Charisma und hoher Intelligenz, allerdings geringer Weisheit. Maternus will unter keinen Umständen unbekannt sterben. „Alexander died, Alexander was buried, Alexander returneth to dust… imperious Caesar, dead and turned to clay, might stop a hole to keep the wind away.“ Ich sehe Maternus als Hamlet-artige Gestalt, sein Verzweifllungsakt und seine Gewalt als Reaktion auf brütendes, depressives Nachdenken über Sinn und Tod.

Was führte dazu, dass Maternus in Aktion trat? Eine Ungerechtigkeit. Maternus war wohl Legionär, denn Auxiliartruppen können niemanden zum Kaiser ausrufen, das kann nur die Legion. Auch war er römischer Bürger, sonst wäre selbst der kühnste Plan unglaubwürdig gewesen.

Er war nicht aus dem Ritterstand und selbstverständlich kein Senator – also kann er höchstens Zenturio gewesen sein. 

Üblicherweise wird der Aufstand in Zusammenhang mit der schlechten Versorgungslage gesetzt. Ich sehe Maternus durchaus als gebildete Persönlichkeit, um meine Assoziation mit Hamlet durchhalten zu können. 

Seine Familie gehörte demzufolge zunächst zum Ritterstand und verarmte durch die äußeren Umstände. Die erfolglose Planwirtschaft, die die Antwort der Römer auf alle wirtschaftlichen Krisen war, führte dazu, dass das Handelsunternehmen von Maternus’ Vater in Schieflage kam. Anstatt für den Sohn eine Auxiliar-Präfektur zu kaufen, blieb nur der reguläre Eintritt in die Legionen. Dem Sohn gegenüber wurde das Ausmaß der Probleme verschleiert, bis zum gemeinsamen Selbstmord der Eltern. Maternus musste erleben, wie Patrone versagen und Amici und Klienten sich von seiner Familie abwenden. Das wiederholte Ausbleiben eines versprochenen Donativs und die herablassende Behandlung durch die senatorischen Vorgesetzten, die er an Fähigkeiten weit übertrifft, sind weitere Gründe dafür, dass er nach langer Zeit des Brütens sich entscheidet, in einem Ausbruch von Tatendrang und Wagemut einen – für ihn erkennbar – wohl aussichtslosen Weg, wenigstens hin zu Ruhm und Unsterblichkeit, aber auch zu Rache einzuschlagen. Commodus steht für ihn als Symbol für die erlebten Ungerechtigkeiten. Einen persönlichen Hass gegen ihn hegt er nicht.

Ich sehe auch Parallelen zu Eugen Leviné: „Wir Briganten (Kommunisten) sind alle Tote auf Urlaub“. Leviné, Mühsam etc. errichteten in München 1919 die 2. Räterepublik, obwohl sie wissen mussten, dass sie ihre Ziele unmöglich erreichen konnten. Aber, als Idealisten und Gesinnungsethiker im schlechtesten Sinne Max Webers, taten sie das „Richtige“, ohne die Verantwortung für die Folgen ihres Tuns anzuerkennen.

Maternus gehört damit eindeutig zu „Team Chaos“. Als Zenturio ist Maternus ein Fighter. Er muss zu den mächtigsten Persönlichkeiten der Provinz gehören und Anhänger um sich scharen: Stufe 11.

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Drusus, der Deserteur aus „Sinister Stone of Sakkara“ ist ein Gefolgsmann des Maternus.

Gabreta Silva-Kampagne: Stats für die Mietlinge in Batavis (ACKS, OSR)

Pünktlich vor der nächsten Session folgen hier noch die Stats für die im letzten Beitrag vorgestellten Mietlinge und potentiellen Gefolgsleute, die sich derzeit im Schatten der traurigen Restbesatzung der Cohors IX Batavorum exploratorum milliaria equitata tummeln.

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Und nochmal zum Kopieren:

Name Glaucias Name Cadmea Name Muco Name Rechila
Klasse Cleric (Mithras) Klasse NM/Healer Klasse NM Klasse Thief
Stufe 2 (Acolyte) Stufe Stufe Stufe 1
STR 11 STR 7 STR 10 STR 10
INT 9 INT 9 INT 9 INT 9
WIS 13 WIS 10 WIS 9 WIS 7
DEX 13 DEX 12 DEX 13 DEX 14
CON 10 CON 9 CON 7 CON 12
CHR 14 CHR 6 CHR 8 CHR 13
HP 10 HP 3 HP 3 HP 4
AC 7 (Lamellar + shield, Dex) AC 0 AC 2 (Fur, Dex) AC 2 (Fur, Dex)
AT 10+ AT 10+ AT 9+ AT 9+
Prof. Prophecy

Performance (Storytelling)

Prof. Healing 1

Cooking

Prof. (Hijinks) Prof. Skulking

Survival

Equip. Mace, Slave Equip. Equip. 2 Daggers Equip. Dagger +1! Short bow
Spells Cleric List 1/1 Spells Spells Spells

Gabreta Silva-Kampagne: Mietlinge und Gefolgsleute in Batavis (OSR, ACKS)

Glaucias ist ein neuangekommener illyrischer Kleriker des Mithras. Er ist fett, vollbärtig und seine strähnigen Haare stecken stets unter einer phrygischen Mütze. Körperhygiene hat für ihn untergeordnete Bedeutung, was er gerne als Zeichen besonderer Männlichkeit verkauft. Er ist großer Fan des Kaisers Commodus, den er in Rom bei Gladiatorenspielen erlebt hat.

Glaucias möchte gerne eine Abenteurergruppe gründen, die Taediferi (Fackelträger). Dafür sucht er nur Männer (keine Frauen!), denen er neue Namen, nach den Sternzeichen des Mithras geben möchte: Rabe, Stier, Schlange, Hund, Skorpion. (Cleric 2nd)

Glaucias hat eine Sklavin, Cadmea, die Heilerin ist und auch recht gut kocht. Sie will weg von ihm und wäre evtl. bereit, als Mietling oder Gefolgsmann eine Abenteurergruppe zu begleiten. Glaucias möchte, dafür dass er sie gehen lässt, einen wertvollen Mantel, auf dessen Innenseite ein Sternenhimmel gestickt sein soll; Kostenpunkt: 825 Aurei. Technisch gesehen hat man Cadmea dann gekauft, muss ihr also keinen Lohn mehr zahlen. Für 50 Aurei im Monat „verleiht“ Glaucias Cadmea auch, falls man ihn gewogen stimmen kann. (Hireling: Healer)

Muco ist ein dürrer Säufer mit Magenproblemen, der unsterblich in eine von Mondicas Sklavinnen verliebt ist. Seine Hand zittert zwar sichtlich, aber er gewinnt dennoch oft beim Dolchwerfen im Gasthaus von Batavis. (Hireling: Ruffian – Carouser)

Der Vandale Rechila hat nach einem Streit einem Neffen von Scarila, dem Fürst der Vandalen, einen Dolch mit Bernsteinknauf gestohlen. Als Dieb ist er nicht so gut, wie er denkt und deshalb jetzt auf der Flucht. Dafür ist er allerdings wagemutig und verzweifelt, was ihn zu einem guten Mietling oder Henchman macht. (Hireling: Ruffian – Footpad)

Aquilius Felix, Meuchelmörder im Dienste des Commodus: Historischer NSC

Die Frumentarii waren die Spione und Meuchelmörder der Legionen. Ihr Hauptquartier waren die Castra Peregrina auf dem Caelius im Südosten Roms. Von hier aus wurden die Frumentarii über das Imperium verteilt. Ursprünglich waren sie für die Nahrungsbeschaffung der einzelnen Legionen zuständig – als Zeichen für die Frumentarii habe ich deshalb einen Adler auf einem Ährenbündel gewählt (historisch nicht belegt). 

Aquilius Felix ist eine historische Persönlichkeit. Er war der erfolgreichste Frumentarius im Dienste des Commodus, sein Mann für besonders schwere Aufgaben. Er war ein Zenturio der Frumentarii. Die Historia Augusta beschreibt ihn als „notus caedibus senatoriis“, als berüchtigt für das Ermorden von Senatoren und als „notum caedibus ducum“, als berüchtigt für das Ermorden von Generälen.

Aus einer Inschrift (ILS1387) aus Antium/Anzio wissen wir noch mehr über ihn: Marcus Aquilius Felix war der Legio XI Claudia in Durostorum (Silistra, Bulgarien) an der Donau als Zenturio der Frumentarii zugeteilt. Seine Erfolge in der Geheimdienstarbeit wurden mit einer illustren Karriere belohnt.

Ein Opfer entkommt ihm allerdings: Septimius Severus. Imperator Caesar Augustus Septimius Severus.

EDIT: Ich dachte fälschlicherweise, dass er dafür, aus Rache, später ermordet wurde.

Tatsächlich stimmt das nicht: unter Septimius Severus wird Aquilius Felix befördert – auf den Posten des Praefectus Classis Praetoriae Ravennatis. Das heißt, er wurde Befehlshaber des Flottenäquivalents der Prätorianer, einer Flotteneinheit direkt unter dem Befehl des Kaisers.

Ich gehe davon aus, dass er Septimius Severus absichtlich hat entkommen lassen, beeindruckt von dessen Charakterstärke. Denn ganz offensichtlich hat der Kaiser ihm später vertraut.

Im Jahr 182, dem Jahr unserer Kampagne, jagt Aquilius Felix gerade Sextus Condianus. Condianus ist der Sohn eines Mitverschwörers von Lucilla, der Schwester des Kaisers Commodus, die ihren Bruder ermorden wollte. 

Die Historia Augusta beschreibt Condianus als sehr gerissen: er entkommt zunächst, indem er Ziegenblut trinkt, sich vom Pferd fallen lässt, das Blut hervorwürgt und sich tot stellt. Seine „Leiche“ tauscht Condianus sodann gegen einen toten Widder aus. Als die List durchschaut wird, ist Condianus bereits verkleidet und über alle Berge.

Meine Spieler: nicht weiterlesen!

 

In der ersten Sitzung (Spielbericht folgt) haben die Personnagen eine römische Frau namens Agrippina kennengelernt. Sie ist die Ehefrau des Condianus, auf der Flucht aus Rom, um der Rache des Commodus zu entkommen. Sie will bei einer Kindheitsfreundin aus dem Ritterstand, der Frau des Valerianus, Zufllucht finden – sie hofft, dass man sie nicht dort vermutet, da diese Freundschaft nicht standesgemäß ist. Da Agrippina einfacher zu finden ist, als Condianus, und die beiden eine innige Beziehung führen sollen, kommt Aquilius Felix nach Batavis, in der Hoffnung, dass Condianus dort früher oder später auftaucht, oder er einen Hinweis auf seinen Aufenthaltsort findet.

Aquilius Felix muss in der Lage sein, Senatoren, Gouverneure und Generäle zu ermorden, also Charaktere der Stufen 9-12. Im Jahre 182 ist Aquilius Felix daher ein Master Assassin (Stufe 9).