Gygax Exegese: Ratik in der Bone March (World of Greyhawk)

Dieses verärgerte Lexnol, der sich trotz seiner Wachen umdrehte, sich zwischen ihnen hindurch schob – voller Zorn, voller Blut und mit einem schrecklichen Gesichtsausdruck – und bevor der Ork zuschlagen konnte, versetzte er ihm einen solchen Schlag mit seinem Schwert, dass der Ork  komplett gespalten wurde, so dass die Teile des zersplitterten Körpers zu beiden Seiten fielen. Dies hielt die Orks von jedem weiteren Vorstoß ab, denn sie waren erstaunt und verwirrt von Lexnol und hielten ihn für ein überlegenes Wesen.

nach Plutarch, Pyrrhos von Epirus

His Valorous Prominence, Lord Baron Lexnol, der Herrscher des kleinen Ratik, will hoch hinaus. Entgegen aller Realitäten träumt er von einem Groß-Ratik, das von der Onsager-Küste bis Knurl die gesamten Vorlande des Raker-Gebirges umfassen soll. Mit diesem Ziel im Blick hat er seinen Sohn, Alain IV von Ratik, mit Lady Evaleigh verheiratet, der Tochter von Dunstan, Count Blemu, dem Fürsten von Knurl. 

Lexnol sieht sich als legendärer Kriegerfürst. Begründet wurde dieses Selbstbild in der Kindheit Lexnols als Geisel am Hofe des Malachit-Thrones in Rauxes. Dort stellte ein gelangweilter Adliger eine große Ähnlichkeit Lexnols zur einzigen zeitgenössischen Büste Almors II fest, des legendären Gründers des Great Kingdom of Aerdy. Ein Gipsabguss dieser Büste ist fester Bestandteil von Lexnols Reisegepack, auch im Felde. Viel zu lange hat Lexnol sich damit begnügend müssen, kleine Grenzgefechte an der Spitze seiner Waldläufer zu führen. Jetzt bietet sich ihm die Chance, seine Träume wahr werden zu lassen.

Der Lord Baron hat erst vor Kurzem eine große Schlacht gegen die eindringenden Orcs of the Vile Rune gewonnen, die „Schlacht von Loftwood“.  Über sein Heer wissen wir folgendes: 

„The standing army of 2,225 foot and 500 horse was augmented by four companies of borderers (900 men) and the cadre for four more such units.  Levies and militia totaling about 4,000 were also equipped and put into training.  Lastly, some 600 sylvan elves were enlisted for the Loftwood.   (…) only about 3,000 gnomes could be counted on to join forces with the Archbaron’s army. (…)“  Ihm folgen auch eine Reihe von Magiern, denen es unter anderem gelang, in der Schlacht von Loftwood das Heer von Ratik dreimal größer erscheinen zu lassen. 

Die Verluste der Schlacht glich Lexnol aus, indem er 1.000 Banditen und Briganten, die auf Seiten der Orcs kämpften, in sein Heer anwarb. Außerdem hat er mit den Frostbarbaren ein Bündnis geschlossen. Lexnol muss diesem Bündnis vertrauen, da er sonst nicht die Mittel hätte, überhaupt in der Bone March zu operieren, da er seine Nordgrenze aktiv schützen müsste. Allerdings ist dieses Bündnis nur so lange belastbar, wie die Frostbarbaren gute Beute machen. Ein Jarl, dessen Schiff ohne große Beute in die heimischen Fjorde zurückkehrt, bleibt nicht lange Jarl.

Für diese Saison hat Lexnol genügend Geld, denn er hat die Reichtümer der Vile Rune erbeutet. Die Gnome und Waldelfen wird er zurücklassen, um die Grenzen zu schützen, genauso die Milizen, die noch weiter ausgebildet werden müssen. Das ermöglicht es Lexnol, mit dem Großteil seines stehenden Heeres, den neu rekrutierten Banditen und seinen Frostbarbaren-Verbündeten in die Bone March vorzustoßen.

Es gibt ein nahe liegendes Ziel, das der Lord Baron im Blick hat: die freie Stadt Dekspoint, nördlich von Johnsport, treibt regen Handel mit verschiedenen Mächten in der Bone March. Eine Strafexpedition ist notwendig!

Lexnol plant, mit Hilfe der Frostbarbaren die freie Stadt Dekspoint zu einer Tributzahlung zu zwingen – das Recht sie drei Tage lang von Frostbarbaren plündern zu lassen, wäre denkbar. Er hofft, dass das seine Wikinger genug motiviert, auf dem Marsch in die Ruinen von Cadmil bei ihm zu bleiben. Ansonsten müsste er in die Nordprovinz vorstoßen und dort die Elektrum-Minen nördlich von Bellport plündern. 

In Cadmil oder weiter südlich würde er sich dann gerne mit den Truppen aus Knurl vereinen, die Entscheidungsschlacht gegen die Oger-Magi in den Blemu Hills suchen und in Knurl überwintern um von dort aus den Feldzug im nächsten Frühjahr fortzuführen.

Edit: Lexnols Pläne reichen noch weiter, wie konnte ich das übersehen: er versucht auch noch die Snow Barbarians für ein gemeinsames Vorgehen gegen die Stonefists zu gewinnen…

…Außerdem war das Land Ratik eine zu schmale Grundlage für die in die Weite zielenden Pläne des Barons. An diesem Umstand krankte mehr oder weniger die ganze Politik Lexnols, die fehlenden Machtmittel konnten durch die persönliche Bravour des Herrschers nicht aufgewogen werden.

nach Hermann Bengtson: Pyrrhos, König der Molosser

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Gygax Exegese: Die Theocracy of the Pale in der Bone March (World of Greyhawk)

Wenn es kalt ist, will Pholtus, dass ein Häretiker brennt.

Redensart in der Theocracy of the Pale – Carl Sargent (From the Ashes)

Die Theocracy of the Pale erinnert mich an die Ritter des Lichts aus Froidevals Chroniken des Schwarzen Mondes. Diese großartigen Comics spielen übrigens auf Oerth, dem Planeten der World of Greyhawk. Froideval hatte in den 80ern mit Gary Gygax zusammengerabeitet. Aber das nur am Rande.

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Gary Gygax gibt im World of Greyhawk Gazetteer folgende Infos, die für die Bone March relevant sind: Die Theocracy hat ein stehendes Heer von 4000 Mann. Nahrung, Kupfer und Edelsteine sind die Ressourcen, über die die Pale verfügt. Staatsreligion ist der Glaube an Pholtus. „Following the inflexible example of their deity, the clerics of Pholtus continually seek to reveal the light to unbelievers. They will brook no argument, of course, and resisters will be shown the way of the Blinding Light.“

Die Church Militant wird nicht besonders viele Krieger in die Bone March schicken, um ihre Grenzen nicht zu entblößen. Warum schickt sie überhaupt welche?

  • um Ungläubige zu bekehren
  • als Propaganda: „Pholtus beschützt die Menschen“
  • um tatsächlich Menschen zu schützen
  • als Sicherheitskordon: nur mit eigenen Truppen „on the ground“ weiß man wirklich, was vor sich geht und ob es gefährlich für die Theocracy werden kann
  • um die Silberminen zu kontrollieren; die Theocracy hat einen großen Bedarf an Silber in Tempeln, als Verzierung auf Rüstungen und natürlich als Zahlungsmittel, aber keine eigenen Minen. 

Insgesamt wird die Pale nie mehr als 400 Mann nach Bone March schicken. 10% der Kampfstärke sind sicherlich vertretbar, wenn man die Operation als vorgeschobene Grenzsicherung betrachtet. Die Gesamtstärke der größten Humanoiden-Heere liegt, zum Vergleich, bei etwa 10.000. Vermutlich liegt die Größe des ursprünglichen Expeditionskorps eher bei 200 Mann. Allerdings ist es ein echtes Ritterheer, mit Paladinen und Klerikern, Schlachtrössern und Plattenpanzern.

Dem Expeditionskorps wurden Maximalziele mit auf dem Weg gegeben. Das ist kein Zufall: um überhaupt die Pholtus-Hierarchie davon zu überzeugen, dass ein Engagement in Bone March sinnvoll ist, musste allen möglichen Machtgruppen alles mögliche versprochen werden: den Zeloten gegenüber viele neue Gläubige, den Machtpolitikern ein vergrößerter Einfluss und Mitsprache in der Politik der östlichen Flanaess, den Isolationisten nun noch sicherere Grenzen, den Bürokraten im Haushalt neue Einkünfte, den Liturgen silberne Kultgegenstände.

All das gleichzeitig kann eine zahlenmäßig begrenzte Eingreiftruppe nicht erreichen. Damit sie weiter im Feld stehen kann, muss sie aber gegenüber der Heimatfront glaubhaft machen, dass alle Ziele in Reichweite bleiben. Zu diesem Zweck sind notwendig:

  • regelmäßige Berichte über humanoide Truppenbewegungen, selbst über unwichtige Erkenntnisse, aufgebauscht als sicherheitsrelevant und überbracht von neuen Konvertiten
  • stetiges Vorrücken in Richtung der Silberminen und symbolische Sendungen von erbeutetem Silbererz, auch in kleinsten Mengen

Das Heer kann bei seiner geringen Größe vermutlich eine Saison ohne frischen Nachschub aus der Pale operieren. Da das Aufrechterhalten einer geregelten Kommunikation aber von großer Wichtigkeit ist, wird darauf geachtet, Nachschubwege in die Pale offen zu halten. Das schränkt den Radius der Operationen ein.

Wer hatte den solches Interesse daran, sich in der Bone March zu engagieren, dass er alle politischen Hebel in Bewegung gesetzt hat, um das Expedtionskorps zu entsenden?

Der Befehlshaber des Expeditionskorps, evtl.? Aber warum?

Zur Diskussion!

Gygax Exegese: Die Bone March (World of Greyhawk)

Seit 1993 fasziniert mich die Bone March im Osten Greyhawks als Abenteuerschauplatz. Während es mir meistens leicht fällt, ein Milieu spielbereit auszugestalten, habe ich hier allerdings immer wieder das selbe Problem: je genauer ich mit der Vorbereitung werde, umso weniger faszinierend finde ich das Setting. Ich versuche mal, dem auf den Grund zu gehen und trage hier zunächst alle Informationen zusammen, die es über die Bone March gibt, mit minimaler Extrapolation zunächst. 

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Ich fange mit den Informationen mal beim 1980er World of Greyhawk Gazetteer an. 

Die Bone March – in der Silber und Edelsteine gefördert werden – war einmal ein Lehen des Malachit Thrones, fiel aber zwischen 560-563 CY an humanoide Invasoren – vor allem Gnolle, Oger und Orcs. Der Marquis of Bonemark fiel beim Kampf gegen die Eindringlinge.

Die Humanoiden kamen durch die Berge und unternehmen jetzt Raubzüge in die Theocracy of the Pale, nach Ratik und sogar bis nach Nyrond. An der Grenze zur North Province finden ununterbrochen Scharmützel statt. Die überlebenden Menschen in Bone March (ca. 30 000) wurden versklavt. 

Machtgruppen in Bone March: 

  • Die Schergen des wahnsinnigen Überkönigs, die Humanoide als Söldner anwerben wollen
  • Verwandte des Marquis von Bonemark, die Anspruch auf die Herrschaft über das Lehen erheben (extrapoliert)
  • Paladine aus der Theocracy of the Pale (extrapoliert)
  • die Gnome in den Flinty Hills, die dort noch immer durchhalten
  • die Milizen Ratiks
  • Truppen von Nyrond-Almor im Süden – die Stadt Knurl wurde von ihnen erobert
  • Orc-, Gnoll- und Ogerstämme, die um die Vorherrschaft kämpfen

Geographie:

Der Teesar Torrent begrenzt die Bone March. Er fließt sehr schnell und mündet in den Harp River. Da dieser nur zur Hälfte befahrbar ist, ist der Teesar Torrent wohl nicht befahrbar.

Rakers: In dieser Bergkette gibt es viele Humanoide und Zwerge.

Flinty Hills: viele Bodenschätze, im Norden wohnen Gnome.

Blemu Hills: früher viele Demi-Humans, jetzt Celbit, Jebli und Euroz (Orks).

Loftwood: Pinienwald, der für die hohen, gerade gewachsenen Bäume geschätzt wird, die man gerne als Maste für große Schiffe verwendet. 

Städte:

Johnsport: ?

Knurl: von Nyrond-Almor befreit

Spinecastle: 6.300 Einwohner

Gehen wir weiter zu Informationen aus der World of Greyhawk Box:

Die vorherrschende Gesinnung in Bone March ist im Nordosten neutral, im Zentrum chaotisch böse und in Südwesten chaotisch neutral. Das heißt wohl, dass im Nordosten die Herrschaft der Humanoiden schwach ausgeprägt ist. Im Südwesten sind vermutlich die Gnome für das CN verantwortlich.

Die einzigen Menschen, die auf der angepassten Begegnungstabellen auftauchen, sind Banditen, Briganten und „Raiders“. Briganten sind sicherlich Deserteure aus den Armeen Bone Marchs oder der umliegenden Reiche. Einige von ihnen könnte man evtl. überzeugen, wieder für die gute Sache zu kämpfen. „Raiders“ bezeichnet Eindringlinge, etwa aus der Pale oder Almor. Bandits sind vermutlich Verbündete der Humanoiden.

Der Herrscher von Almor ist Kevont, C 12, der Herrscher von Bone March war Clement, Ogon Tillit, C 14 ist Herrscher der Pale, Grenell, A 15 ist Herrscher der North Province.

Laut Herkunftstabellen sind Personnagen aus der Bone March Gnome oder Halb-Orks.

Gary Gygax wird im Dragon #57 etwas konkreter:

Machtgruppen:

Orcs of the Vile Rune – seit einer verlorenen Schlacht (Battle of the Loftwood) gegen Ratik auf dem absteigenden Ast. Ihr Aufbau: „In addition to 5,000 tribe members, the force had 2,000 goblins, 1,000 norkers and xvarts, and 1,000 hobgoblins, orgrillons, gnolls, and ogres.  With this detestable agglomeration were nearly 2,000 bandits and brigands serving as mercenaries.  Its forerunners were worg mounted goblins, a handful of whom were slain to obtain the intelligence.“

Orcs of the Death Moon: die aufsteigende Macht in Bone March mit Machtbasis in den Blemu Hills; beide Stämme werden von Halb-Orks geführt, von bösen Menschen unterstützt und haben andere Humanoide in ihren Diensten. 

Oger und Gnolle unter dem Kommando von Oger Magi: in den Hügeln am Teesar Torrent ist deren Machtbasis, sie haben aber 575 eine herbe Niederlage einstecken müssen (gegen Nyrond-Almor?)

Evil Men: sie kontrollieren viele Teile der Mach.

Knurl: laut dem Dragon-Artikel ist die Stadt von bösen Menschen beherrscht, die Hobgoblins rekrutieren; das widerspricht dem Gazetteer!

Frost Barbaren: Verbündete Ratiks, die allerdings gut bezahlt werden wollen und ansonsten evtl. Ratik selbst erobern.

Kaye River: der richtige Name des westlichen Arms des Teesar Torrent.

In den Gord the Rogue Romanen, die ich leider nicht habe, finden sich auch noch einige Informationen:

Castle Blemu: Vasall von Nyrond in den Blemu Hills

Dunstan, Count Blemu, Lord Knurl, ein Vasall von Nyrond (das passt wieder nicht zu Knurl als Wohnort böse gesinnter Menschen); hat eine attraktive Tochter, Lady Evaleigh (blond, hochgewachsen), die sich in Ratik aufhält. Andererseits scheint Gord in Castle Blemu eingesperrt gewesen zu sein, und obwohl Gord kein Unschuldslamm ist, passt das wieder eher zu den „evil men“.

From the Ashes, Ivid the Undying und der Living Greyhawk Gazetteer haben auch noch ein paar Infos, die aber teilweise nicht passen – so war Carl Sargent z.B. nicht bewusst, dass „Euroz“ einfach „Orks“ bedeutet und hielt die Euroz für einen Stamm. Die Bevölkerungszahlen passen auch nicht und Herzog Grenell ist kein Assassine mehr, sondern ein Hextor-Kleriker (gähn!). Ich mag FtA total gerne, aber hier ist es einfach nicht hilfreich. Auch die Begegnungstabellen (die tatsächlich subtil anders als die in der WoG-Box sind.

Hat zufälligerweise jemand schon mal in Bone March gespielt? Kennt ihr das Problem, das ich eingangs beschrieben habe: wenn man etwas ausformuliert/berührt, zerfällt es zu Staub?

Zur Diskussion:

https://forum.rsp-blogs.de/index.php?topic=2883.0

Intrigen in Castra Regina (Spielbericht, Gabreta Silva-Kampagne)

Römisch-germanische Donaugrenze, im Oktober 935 ab urbe condita

Attack on Titan: Ein Riese watet durch den reißenden Danuvius, in Richtung Germania Magna, eine strampelnde Entführte auf der Schulter; am Ufer versuchen Legionäre, angeführt von einem Zenturio einen weiteren Riesen zu stellen – die Verluste sind fürchterlich. Sowohl Ffeanagh, als auch wenig später die gefangene Restgruppe entscheiden sich, einen großen Bogen um diese gefährliche Situation zu machen.

Ankunft in Reginum: Ffeanagh reitet in die zivile Siedlung, mit den gefesselten Briganden; er eilt zum Porticus, wo sich die Stoa trifft. Als er dort nicht sofort einen Magier der Italica Concors findet,  reitet er direkt weiter  – ehe er noch Probleme wegen der Gefangenen bekommt. Im Gasthaus des Symmachus trifft er, wie verabredet, Polus den Dieb wieder, der sich freut, da er mittlerweile einen einträglichen Auftrag von Caius Cavea, dem ehemaligen Magister Furum, bekommen hat – für den er allerdings Hilfe braucht. 

Ffeanagh hört sich den Auftrag gar nicht erst an, denn er will die Gefangenen rasch loswerden und möglichst schnell seine Version der Ereignisse von Batavis an den Mann bringen. Polus und Ffeanagh machen sich mit den Gefangenen auf zum Tribunus Laticlavius, dem Befehlshaber von Castra Regina.

An der südlichen Porta von Castra Regina kommen derweil die Gefangenen – Tertius, Kraudelbart, Dulcia und Ffion an. Die Legionäre am Tor erkennen ihren alten Kameraden Tertius wieder und fertigen die Auxiliaren aus Batavis recht arrogant ab. Die Gefangenen werden zum Tribunus Laticlavius gebracht, wo sie auf Ffeanagh, Polus und die Briganten treffen. Sie müssen etwas warten, bis sie vorgelassen werden.

Der Klatsch und Tratsch-Tribun: Die Personnagen werden vorgelassen und können ihre Geschichte präsentieren. Anwesend sind außer Tribun Marius Maximus – einem lockigen Jüngling – noch der miesepetrige Pluto-Priester Umbrenus, der stämmige Assassine Aquilius Felix von den Frumentarii und Gubernator Avitus von der Donauflotte. Die Spielfiguren werden misstrauisch, da Gubernator Avitus in Batavis war, obwohl er so weit östlich mit seiner Liburne nicht hätte patroullieren sollen. Sie vermuten, dass Avitus die geraubten Subsidien von Methorius bekommen hat. Avitus’ Verhalten während der Audienz bestärkt die Spielfiguren in ihrem Misstrauen, denn er zweifelt an ihrer Darstellung.

Marius Maximus hingegen ist von Ffeanaghs Auftreten sehr angetan. Die beiden verstehen sich auf Anhieb sehr gut. Besonders an den zwischenmenschlichen Details der Ereignisse zeigt sich Marius Maximus sehr interessiert. Schließlich entscheidet er, dass Präfekt Valerianus in einer Woche in Castra Regina zu erscheinen hat, um sich zu den Anschuldigungen zu äußern. Die Personnagen dürfen derweil Reginum nicht verlassen. Zur Sicherheit wird Kraudelbart in Haft genommen. Die Briganden hingegen sollen gekreuzigt werden.

Umbrenus ist von den Spielfiguren angetan und lädt sie für den folgenden Abend zum convivium ein.

Paranoide Personnagen: Die Spielfiguren rechnen fest damit, dass man sie zum Schweigen bringen will. Sie verweigern daher den Kontakt mit Caius Cavea und tätigen einen Hamsterkauf in der Basilica – wo sie sich sogar die örtlichen, korrupten Vigiles vom Hals kaufen, um keine Probleme zu machen – und verbarrikadieren sich ansonsten im Gasthaus des Symmachus. 

Am nächsten Abend gehen sie zum convivium mit Umbrenus. Sie bemerken, dass sie verfolgt werden. Im Haus des Umbrenus nehmen sie ein prächtiges Festmahl ein und erfahren, was Umbrenus von ihnen möchte: sie sollen die örtlichen Mithräen ausräuchern, die er für einen Hort des Chaos hält. Für jedes zerstörte Mithräum wäre er bereit 500 Gold zu zahlen – oder etwa das amputierte Bein des Tertius nachwachsen zu lassen. Die Spielfiguren sind etwas verunsichert, da Umbrenus’ eigentlich dünne Stimme sich seltsam verändert, wenn er über seinen Hass auf die Mithras-Priester spricht. Auch haben sie moralische – und legale – bedenken, was den Mordauftrag angeht. Sie sagen Umbrenus daher nicht zu und machen sich auf den Heimweg.

Mord und Hexerei: Die Paranoia war berechtigt! Die Personnagen werden überfallen, von vermummten Gestalten mit Gladii – und einem Magier, der Ffeanagh auf die Ferne zu erwürgen sucht. Doch die Spielfiguren waren vorbereitet und schlagen rasch und hart zurück! Sie töten den Magier und es gelingt ihnen mittels Schlafzauber Gefangene zu machen. Die Vermummten tragen unter ihren Mänteln die Lederrüstungen der Donauflotte. Die Personnagen rufen eine Nachtpatroullie der Legionäre herbei, um ihr Vorgehen zu rechtfertigen. Sowohl die Personnagen als auch die Marinesoldaten werden über Nacht festgesetzt. 

Im Gefängnis werden sie von Aquilius Felix besucht, der sich noch einmal im Detail ihre Verdächtigungen erzählen lässt und den Personnagen mitteilt, dass er ihnen glaubt. Er bedankt sich bei Ihnen für ihren Mut, im Namen des Kaisers Commodus. Er hat ihnen auch Wein mitgebracht. Einige Spielfiguren trinken später davon – und werden, entgegen mancher Befürchtungen, nicht vergiftet.

Am nächsten Morgen werden die Personnagen freigelassen. Gubernator Avitus hat sich noch in der Nacht beim Tribun für die abtrünnigen Elemente seiner Besatzung entschuldigt und die gefangenen Marinesoldaten köpfen lassen. 

Der Prozess: Die Spielfiguren verlassen ihr Gasthaus nun nicht mehr, bis zum Prozess. Zu diesem hat Präfekt Valerianus seine Frau Celena mitgebracht. Auch ein weiterer mächtiger Fürsprecher des Valerianus ist angereist: Senator Publius Helvius Pertinax, ein mächtiger Magier. 

Celena hält einen melodramatisch Vortrag, angereichert mit vielen expliziten, anzüglichen Details über ihr Verhältnis zu Optio Methorius, der sie verführt hat und dem sie verfallen war. Der Vortrag ist gut abgestimmt auf die Vorlieben des Marius Maximus, wie die Spielfiguren feststellen. Der Tribun weidet sich an den Details.

Der Tribun fällt schließlich das Urteil: Valerianus ist persönlich kein Verrat vorzuwerfen. Er hat allerdings seinen Laden nicht im Griff. Er muss dafür sorgen, dass die Grenze ruhig bleibt, ansonsten erwartet Marius Maximus, dass Valerianus die Verantwortung übernimmt und sein Leben selbst beendet. Valerianus und Celena reisen ab.

Am nächsten Morgen ist Reginum in Aufruhr: vor den Toren der Stadt gab es ein Massaker. Präfekt Valerianus, seine Frau Celena und ihre gesamte Eskorte wurden ermordet. Die Spielfiguren vermuten, dass das die Tat von Aquilius Felix war. 

Stadtbeschreibung: Regensburg 182 AD als Abenteuerschauplatz (Stadtkarte, Gabreta Silva-Kampagne)

Das antike Regensburg liegt unpraktischerweise unter dem heutigen – sehr ärgerlich für Archäologen, recht erfreulich für die kreative Freiheit. Auf Basis der bekannten Fakten habe ich Castra Regina und Reginum als Abenteuerschauplatz ausgearbeitet.

Die Fakten, an die ich mich halte sind: 

  • Lage und Größe des Lagers der Legio III Italica Concors
  • ungefähre Lage des Gäberfeldes südlich der Stadt
  • ungefähre Lage der bekannten Tempel
  • Thermen am Stadtrand, östlich vor dem Lager
  • ein zivile Siedlung westlich der Stadt
  • Gebäude mit Porticus und Hypokausten

Setzungen, die ich vornehme, weil ich sie für relativ plausibel halte (in anderen Worten – sie sind mindestens zu 50% falsch, aber um das zu beweisen, müsste man viel graben):

  • klassischer Aufbau der Siedlung mit Decumanus und Cardo im Schachbrettmuster
  • Legionslager und Zivilsiedlung teilen sich die Decumanus
  • Basilica (B3), Forum (B3), Theater (D1) und Amphitheater (D4) sind vorhanden (sogar Quintana hatte ja ein hölzernes Amphitheater)
  • die Größe entspricht der realistischen Besatzungsstärke des Legionslagers, also 2000 – 3 000 Einwohner – auch schon zu diesem frühen Zeitpunkt
  • die Ausdehnung entspricht dem Legionslager
  • die Häuser sind größtenteils Streifenhäuser mit Porticus und Atriumhäuser
  • die zivile Siedlung hat keine eigene Mauer
  • über die Donau führt eine Furt, gegenüber der Porta Praetoria
  • Reginum hatte den Status eines municipium
  • die Gerichtsbarkeit lag beim Legaten oder Tribunus Laticlavius
  • als Militärsiedlung hat Reginum mindestens ein Mithraeum

Setzungen, die ich einfach so vornehme:

  • der Rest
  • insbesondere: die genaue Platzierung auf der Karte – niemand, der anfängt zu graben, soll sagen, dass ich ihn nicht gewarnt hätte
  • wo immer möglich halte ich mich an die Vorgaben aus dem Adventurer Conqueror King-Regelwerk, das z.B. die Anzahl und die teilweise Stufen von Angehörigen der verschiedenen Klassen vorgibt.

Örtlichkeiten (C2) beschreiben die Insula, also den Wohnblock – nicht das Mietshaus – in dem sich ein Gebäude befindet.

Reginum (den Namen verwende ich für die zivile Siedlung) gilt nach den Adventurer Conqueror King-Regeln als „small city“ mit unter 2500 Bürgern. Es ist ein „class IV market“. 

Bevölkerung:

Peregrini und Freigelassene: ca. 1200 

davon Germanen: ca. 500

römische Büger: ca. 200

Sklaven: ca. 500

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Magier – die Stadt beherbergt 50 Magier; der Legionsmagier und seine Adepten zählen nicht dazu. 

Derzeit sind 30 Legionsmagier in Castra Regina. Faustus Herdonius Decula (Magier 8), ein gewissenhafter Ritter, ist ihr Anführer. Er würde sich einen Befehlshaber wünschen, der etwas mehr bei der Sache ist und mehr Eigeninitiative zeigt.

 Es gibt eine Stoa. Die Magier, die dazu gehören, treffen sich gerne im Schatten der Porticus von Insula C2  um dort zu diskutieren. Dahinter liegen die Läden von Pergamentmachern, Tintenmachern, Papyrusverkäufern u.ä. (27 Magier).

Magister des Collegiums ist Gorgus (Magier 9), ein fetter Freigelassener mit gluckernder Stimme, der sich mit seiner Sänfte überallhin tragen lässt. Er leidet darunter, dass er als Freigelassener kein Mitglied der Curia werden darf. 

Es gibt ein knappes dutzend Zyniker, die mit ihren Bettelschalen am Forum (B3) und in der Basilica stehen und Armutspredigten halten. Bekannt ist vor allem Roxana (Magierin 5), deren Reden – auch wegen ihrer dekorativ zerrissenen Kleidung – immer einige Zuhörer finden. (11 Magier)

Es gibt einige Epikuräer, die sich im Geheimen im Hortus (A5) eines reichen Gönners (Decurio C. Vehilius Afer, Magier 4) treffen. Sie unterhalten Kontakt zu einem mächtigen Epikuräer außerhalb der Stadt, dessen Namen sie nicht wissen. (7 Magier)

Die restlichen Magier gehören anderen Philosophien an und sind nicht organisiert.

Diebe – die Stadt bietet 100 Dieben eine Heimat

Der Corpus Furum (HQ in C5) wird vom Magister Furum Bularchus (Dieb 7) geleitet. Er hat seine Truppe durch körperliche Gewalt, nicht durch Raffinesse im Griff. Dem Corpus Furum gehören 50 Diebe an. Viele von ihnen sind entlaufene Sklaven, denen ein Banditendasein zu riskant ist. Ein junger Vandale namens Rechila versucht, die germanischen Diebe um sich zu scharen.

Die Diebe treffen sich gerne in den Slums (nur ein paar ärmliche Straßenzüge in C5); dort gibt es auch Kioske, Imbisse und Tavernen, wegen des Amphitheaters. Außerdem kann man den Gladiatoren hier manchmal beim Trainieren zusehen.

Der Corpus Sicarii in Reginum ist sehr klein und besteht nur aus der Familie Sophron aus Epirus  (4 Assassinen, D2).

Die „freischaffenden“ restlichen Diebe sind teilweise Sklaven, die sich ein Nebeneinkommen verdienen. Viele der Diebe sind aber auch Händler.

Kleriker – 100 Kleriker befinden sich in der Stadt

Merkurtempel: Südwestlich der Stadt, auf einem Hügel befindet sich ein Merkurtempel an der Straße nach Augusta Vindelicorum, mit gutem Blick auf die Stadt. Da jeder Reisende nach Süden will, und da fast jeder lieber nach Süden reisen würde, als an der Donaugrenze zu bleiben ist dieser Tempel der größte Tempel Reginums. 25 Kleriker kümmern sich hier um die Bedürfnisse ihres Gottes und der Reisenden. Zahllos sind die Brandopfer derjenigen, die einfach nur weg wollen. Die vielen Spenden der reisenden Händler sorgen dafür, dass die Kleriker ein gutes Auskommen haben und in Reginum mit Geld um sich schmeißen können.

Bacchustempel: Westlich der Stadt. Wer nicht weg kann, braucht Abwechslung; die Bacchuskleriker sind immer bereit, die Grenzen des Machbaren auszuloten. Ist es noch in Ordnung, wenn Klerikerinnen unbekleidet eine Ziege opfern und sie dann roh verspeisen? Und wenn anschließend ein Festzug Richtung Reginum zieht – was genau ist dann als Teil der Feier noch akzeptabel? 15 Kleriker_innen fühlen sich hier zu Hause, nur ein kleiner Teil ist ansprechbar.

Mithraeum: in Reginum gibt es vier Mithräen (B2, C3, D3, C4), mit insgesamt 8 Mithrasklerikern. Ein fünftes Mithräum (A1) wird gerade gebaut; die örtlichen Priester des Pluto sind besorgt.

Plutokleriker: Im Zentrum des Legionslagers befindet das Valetudinarium (Lazarett). Es wird von 20 Klerikern des Pluto betrieben, die auch die heiligen Riten zur Segnung des Legionsadlers vornehmen. Außerdem kümmern sie sich um das Gräberfeld südlich der Stadt. Es ist für die Legionäre beruhigend, dass die Pluto-Kleriker ihnen zumindest den Weg zu Charon deuten können. Die Kleriker selbst sind unzufrieden, da sie einem Orakel zu Folge eine heilige Höhle des Pluto hier im Norden vermuteten, mit Dämpfen aus der Unterwelt – deswegen haben sie die neugegründete Legion begleitet. Seit Jahrzehnten suchen sie nun nach Anzeichen dieser Höhle. Umso mehr nervt es sie, dass die Mithraskleriker überall künstliche Höhlen anlegen. Das müssen wohl Anhänger des Chaos sein! Leider wiegelt der Tribunus Laticlavius diesbezüglich eher ab. Cn. Lavinius Umbrenus (Cl 7) ist ihr Anführer, ein dürrer, runzliger Mann mit dünnem, fettigem, grauem Haar, gekleidet in schwarze und goldene Roben. Sein andauerndes Mäkeln hat ihm jeglichen politischen Einfluss gekostet.

Heiliger Hain des Tyr: viele Legionäre gehen gerne nördlich der Donau zu einem heiligen Hain des Tyr, den sie als Mars verehren. 6 Vandalenkleriker kümmern sich um diesen heiligen Hain. Im Falle neuer Feindseligkeiten wären sie die ersten, die den Legionären die Köpfe abschlagen und sie ihrem Gott zu Ehren in die heiligen Bäume hängen würden. Die Legionäre wissen das. Es macht eine Teil des Reizes aus, hierher zu kommen.

Die restlichen 26 Kleriker haben höchstens kleine Schreine, keine großen Tempel. Etwa die Hälfte sind Germanen.

Fighter

Außer den bis zu 6000 Legionären sind hier vor allem die beiden Gladiatorenställe zu nennen, die in Insula D3 zu finden sind. Da viele Gladiatoren in die Auxiliartruppen und Numeri verpflichtet wurden, ist die Qualität der Kämpfe nicht mehr besonders hoch, was sowohl Olympias, als auch Mummius und Ursus, die Besitzer der Gladiatoren, gerne ändern würden.

Gemeinderat (Curia) des Municipiums:

Caius Cavea (Thief 5), der Vogelhändler: ein überangepasster Germane, der gerne das römische Bürgerrecht hätte und daher alles getan hat, um in die Curia zu kommen. Handelt im großen Stil mit Singvögeln für Volieren reicher Römer. Hasst Germanen, die die Segnungen des Imperium Romanum nicht verstehen und spricht übertrieben gewähltes Latein. Nutzt jede Gelegenheit, seine Treue zum Imperium zu beweisen. Hat gute Verbindungen zu Bularchus, dessen Hilfe er brauchte, um die Position eines Decurio zu erlangen.

Olympias, Priesterin des Bacchus: Die sinnliche Olympias will höhere Zölle um größere Spiele ausrichten zu können.

 

Marius Maximus, der Kaiserbiograph – historischer NSC (Gabreta Silva-Kampagne)

Der römische Autor Marius Maximus ist für die Regierungszeit des Commodus belegt als Tribunus Laticlavius der Legio III Italica Concors. Als Tribunus Lativclavius war er der zweithöchste Offizier der Legion, eine Position, die traditionell am Anfang einer Karriere im cursus honorum stand. Da der Legat der Legion der Gouverneur der Provinz war und in Agusta Vindelicorum residierte, ist es logisch, anzunehmen, dass der Tribunus Laticlavius in Reginum stationiert war und damit auch den Oberbefehl über die zivile Siedlung hatte.

Wir wissen einiges über Marius Maximus! Er stammte aus Nordafrika, verehrte also vielleicht eher Götter, die in Nordafrika populär waren – z.B. Tanit. 

Vor allem wissen wir, dass er reges Interesse an Klatsch und Tratsch hatte, denn die Historia Augusta zitiert ihn vor allem, wenn es um frivole Details geht. Seine Kaisergeschichte war wohl mit pikanten Anekdoten gespickt.

Er war ehrgeizig, denn nicht nur strebte er eine Karriere an, er brachte es bis zu Suffektkonsul und damit in die erste Reihe der römischen Elite. Diese Karriere gelang ihm in politisch unruhigen Zeiten: zunächst unter Commodus, wo er Senator wird, und später unter den Severern. Dies war nur möglich, weil er dem Commodus zu allen Phasen seiner Herrschaft treu erschien und er anschließend im Bürgerkrieg die richtige Seite gewählt hatte. 

Lucius Marius Maximus Perpetuus Aurelianus ist also nur auf sein eigenes Fortkommen aus. Er hat großes Interesse daran, dem Commodus treu zu erscheinen, aber so früh in seiner Karriere wohl eher seinem Legaten und Gouverneur, dem Legatus Augusti pro Praetore der Provinz Raetia, Quintus Spicius Cerialis. 

Unser Marius Maximus ist ein schwarzgelockter, braungebrannter Jüngling, der eine enge, auch sexuelle, Beziehung zu seinem Vorgesetzten hat. Er wirkt meist desinteressiert und gelangweilt, denn ihm ist fad in Reginum, aber er weiß, dass das nur eine Stufe seiner Karriere ist. Es geht ihm darum, sich mit allen gut zu stellen, die mächtiger sind als er, da er nicht wissen kann, wessen Wohlwollen er später noch einmal brauchen könnte. 

Durch seinen nordafrikanischen Hintergrund ist er anfällig für das Chaos, das dort in der Form alter karthagischer Kulte (Tanit!) noch stark ist. Er wird nur zögerlich und wenig überzeugt gegen die Umtriebe vermutlich chaotischer Kulte vorgehen, was ihn in Gegensatz zu den Klerikern der olympischen Götter bringt. 

Marius Maximus wird sich nicht exponieren und versuchen, sich sowohl mit Pertinax, als auch etwa mit dem Frumentarii-Assassinen Aquilius Felix – in dem er ein Werkzeug des kaiserlichen Willens vermuten muss – gut zu stellen. Keine Aufregung, keine Skandale sondern solide Arbeit und guter Wille auf allen Seiten ist sein Ziel. Interessante Geschichten jeder Art, „human interest“ und „Boulevard“ liegen ihm sehr und können ihn aus seiner gelangweilten Grundstimmung reißen. Er ist ein Vertreter der römischen Schickeria in der Provinz.

Marius Maximus müsste, da er somit über Reginum (mindestens eine Small City mit einem class IV market) regiert, Stufe 10 haben, laut ACKS Regeln – Reginum befindet sich in einem Reich, wenn die Stadt unabhängig wäre, dann wäre das Level nur 7. 

Tatsächlich ist Marius Maximus am Anfang seiner Karriere. Er hat die bestmögliche Ausbildung von hervorragenden Lehrmeistern genossen und seinem Vater, einem mächtigen Senator, über die Schulter gesehen. Aber ein „Name-Level“ sollte er noch nicht haben – das erhält er im Laufe des cursus honorum. Ich lasse ihn auf Stufe 8 – aber er besitzt, als reicher Erbe, die magischen Gegenstände eines Charakters der 10. Stufe. Das heißt also Schatztabelle N mit 50% Chance auf einen magischen Gegenstand jeder relevanten Kategorie. Er verfügt somit über eine Potion of Growth, Boots of Speed und ein Gladius +1.

Flucht nach Castra Regina – Spielbericht (Gabreta Silva-Kampagne)

Römisch-germanische Donaugrenze, im Oktober 935 ab urbe condita 

Der Vermieter ist zurück: In Batavis bekommen die Spielfiguren von Agrippina die versprochene Belohnung in Mondicas Gasthaus. Interessant ist aber ein anderer Besucher, der auf sie wartet: Sicorius von den Brotharan Riquis! Er wird „beschattet“ von einigen Soldaten am Nebentisch. Das ist auch sein Problem: er kann sich südlich des Danuvius nicht frei bewegen – und möchte es auch eigentlich nicht. Aber er braucht jemanden der es kann, denn: im sumpfigen germanischen Urwald wurden Prinzessin Fradagund und ihr Zug überfallen, die 50 000 Denare geraubt und Prinzessin Fradagund entführt. Syrische Bogenschützen und andere Krieger waren involviert (die Spieler erinnern sich an die syrischen Briganten). Ihre Spur endet am Danuvius. Aber er hat ein interessantes Fundstück vom Ort des Überfalls: eine Fibel mit einer geflügelten Schlange – die Personnagen erinnert das an das rätische Verlies, in dem Morim starb. Sicorius möchte, dass Fradagund gerettet wird, da er fürchtet, dass ansonsten die Kriegstreiber am Hofe Ballomars die Oberhand gewinnen. Und die Brothararn Riquis, so versichert er, haben kein Interesse an einem erneuten Krieg.

Sicorius warnt sie zudem, nicht für Aeropos Karanos zu arbeiten, der jetzt doch verzweifelt nach Abenteurern sucht, um die Flusspiraten zu bekämpfen, denn die Flusspiraten zahlen den Brotharan Riqius Tribut. 

Der abstoßende Mithraskleriker: Glaucias hat sich mittlerweile eine neue Heldengruppe mit einem Scorpio (Dieb), einem Canis (Kämpfer) und einem Corvus (Magier) zusammengestellt. Sie verbringen ihre Zeit damit, für den Garnisonsmagier Malynius seltene Zauberzutaten zu suchen und zu jagen. Es kommt zu einigen Zusammenstößen mit den Spielfiguren, die allerdings dadurch in geordnete Bahnen gelenkt werden, dass die Personnagen Glaucias davon zu überzeugen verstehen, ihnen Cadmea, seine Heilerin und Köchin zu verkaufen. Cadmea schließt sich den Spielfiguren als Gefolgsfrau an. Diese versuchen sogleich, sie mit Radagausius zu verkuppeln, was kein Selbstläufer ist. 

Ffeanagh versucht derweil vergeblich, Zugang zu Malynius’ Bibliothek zu erlangen oder hilfreiche Informationen aus der Garnisonschronik über die Fibel zu bekommen. Die Personnagen entscheiden sich schließlich, auf gut Glück zum rätischen Verlies zurückzukehren.

Kick-in the door: In einer wahren Gewaltorgie walzen die Spielfiguren in das rätische Verlies (Radagausius und Cadmea warten draußen). Links und rechts fallen Hobgoblins, egal ob sie reden wollen oder nicht. Die Spielfiguren erfahren von einem Drachen tiefer im Dungeon. Auch wo im Verlies sich das Hauptquartier der Briganten um Drusus den Vogelfreien befindet wissen die Spielfiguren nun. Nach einer kurzen Verschnaufpause knüpfen sich die Spielfiguren nun die Briganten vor.

Der Kampf gegen die Briganten ist härter, die Personnagen haben sich überschätzt. Sie müssen sich zurückziehen und der einbeinige Tertius wird abgehängt! Er zieht sich in einen leicht zu verteidigenden Raum zurück und fällt mit zwei mächtigen Schlägen zwei Briganten! Die anderen wagen sich nicht mehr vor, daher schließen sie die einzige Türe, vernageln und bewachen sie.

Ausgeruht kehren die Spielfiguren zurück, um Tertius zu rächen. Diesmal ist das Glück ihnen Hold und Tertius lebt sogar noch! 

Die Nebel lichten sich: Die Spielfiguren bestehen diesmal – dank Schlafzauber – den Kampf gegen die Übermacht der Briganten und besiegen auch Drusus, der ihnen noch eine Zusammenarbeit angeboten hatte und dabei einiges von seinen Plänen mitgeteilt hatte. Durch Befragung der Briganten, die sich nach Drusus’ Tod ergeben, und durch Drusus’ Äußerungen und Schriftstücke finden die Personnagen folgendes heraus:

  • Drusus hatte Kontakt zu einem mächtigen Briganten namens Maternus
  • die Briganten waren zusammen mit syrischen Briganten involviert im Überfall auf Prinzessin Fradagund
  • der Zwerg Aligern war ebenfalls eingeweiht und half ihnen mit Zaubern
  • er floh mit dem bezauberten Prinzen Thorismund, sein Pferd verwandelte sich in eine geschuppte, fliegende Monstrosität
  • die Briganten entführten Prinzessin Fradagund und brachten sie zum Drachen bei der Zikkurat in den Tiefen des Verlieses
  • die Prinzessin wurde wohl an die Dame der Tiefe weitergegeben, die das Verlies beherrscht
  • der Überfall wurde von Optio Methorius eingefädelt, den die Personnagen aus Batavis kennen, und von dem sie bereits wissen, dass er ein alter Freund des Drusus ist
  • bis auf 5000 Denare als Lohn blieb das erbeutete Silber bei Methorius

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Wilde Verfolgung: Mit zwei gefesselten Zeugen im Schlepptau machen sich die Spielfiguren auf den Weg nach Batavis und kommen abends dort an. Sie suchen sofort Optio Methorius, den sie in Mondicas Gasthaus finden und den sie abgeschieden in ihrem Zimmer zur Rede stellen. Der Optio behauptet:

  • es geht um das Wohl des Imperium Romanum
  • er ist kein Verräter
  • die Personnagen können ihm nicht damit drohen, ihn zu verraten, denn: 
  • Publia Julia Curiosa ist involviert
  • Agrippina ist involviert
  • Agrippinas Freundin, Celena, die Frau des Präfekten von Batavis ist involviert
  • die Spielfiguren glauben wohl nicht, dass der Präfekt sich gegen seine Frau stellt

Die Auseinandersetzung wird handgreiflich, doch der Optio stellt sich als starker Gegner heraus und kann den Kampf aus dem Raum der Personnagen in den Innenhof des Gasthauses verlagern, wo er lauthals nach Verstärkung ruft.

Die Spielfiguren entscheiden sich für eine rasche Flucht nach Reginum, um ihre Beweise dem Legaten der III Italica Concors zu präsentieren, da sie nicht wissen, wem in Batavis sie trauen können. Sie springen sofort auf ihre Pferde und reiten in der Nacht, so schnell es das geringe Licht zulässt, bis nach Quintana. Dort sind die Tore bereits verschlossen und sie entscheiden sich, die Nacht versteckt in Sichtweite des Tores zu verbringen.

Das Tor wird tatsächlich noch einmal geöffnet, als eine große Gruppe von berittenen Bogenschützen aus Batavis ankommt, angeführt von Optio Methorius und Publia Julia Curiosa.

Sobald das Licht des Tages es zulässt, brechen die Spielfiguren wieder auf, da das Fortkommen dort schneller ist, auf der Römerstraße parallel zum Danuvius. Als die leichte Reiterei aus Batavis am Horizont auftaucht, kommt zu einer wilden Verfolgungsjagd, doch bald wird klar, dass die müden Pferde der Personnagen den Verfolgern nicht gewachsen sind.

Die Spielfiguren stellen sich zum Kampf. Sie wollen Methorius zur Einsicht bringen, da er doch wohl nicht dafür sein kann, dass ein junges Mädchen geopfert wird. Methorius lacht sie aus – während der Markomannenkriege hat er Dörfer niedergebrannt, Frauen und sogar Kinder ermordet, ein Germanenleben zählte nichts und jetzt soll er sich wegen einer einzelnen Germanengöre grämen? Es geht um das Wohl des Imperium Romanum! 

Der Kampf beginnt. Zunächst sieht es gut aus, denn Publia Julia Curiosa wird von Ffion und Kraudelbart erschossen, ehe sie zaubern kann und der Schlafzauber von Ffeanagh aus Hibernia setzt die meisten Reiter außer Gefecht. Doch dann beginnen die Reiter, sich gegenseitig zu wecken und Methorius koordiniert sie. Immer mehr Pfeile jagen in Richtung der Personnagen. Ffeanagh entscheidet sich, mit den Zeugen zu fliehen, während seine Gefährten die Gegner aufhalten. Tertius hinkt todesmutig in den Nahkampf. Mit Dulcias Hilfe, die einen Befehl im Namen Jupiters brüllt, gelingt es ihm, Methorius niederzustrecken! Die Bogenschützen sind noch immer in der Überzahl.

Ohne ihren Anführer sind die Soldaten trotzdem zu diszipliniert, um sich zurückzuziehen; die Spielfiguren können aber mit ihnen verhandeln, da die Soldaten nicht wissen, was sie jetzt tun sollen und wem sie glauben sollen. Erleichtert lassen sie sich darauf ein, die Spielfiguren festzunehmen und nach Reginum zu bringen. Die Zukunft der Spielfiguren ruht nun in den Händesn des Tribunus Laticlavius der Legio III Italica Concors: Lucius Marius Maximus Perpetuus Aurelianus.

Dramatis Personae:

Dulica – Klerikerin des Jupiter

Ffion – hibernische Waldläuferin

Ffeanagh – hibernischer Enchanter

Kraudelbart – markomannischer Dieb

Tertius – nordafrikanischer Ex-Legionär